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Gonzalo Martínez Mayer, Mitbegründer von Carbon Plus, arbeitet an der Schnittstelle von Klimafinanzierung und gemeinschaftsbasierter Naturschutzarbeit. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklung von hochwertigen CO₂-Projekten, die lokale Akteure – insbesondere indigene Gemeinschaften – stärken und gleichzeitig messbare Klimawirkungen erzielen. Das Gespräch bietet wertvolle Einblicke in die Schnittstelle zwischen Kohlenstoffmärkten und der Rolle indigener Gemeinschaften als Hüter ihrer Lebensräume und veranschaulicht diese Symbiose am Beispiel eines Projekts zur verbesserten Waldbewirtschaftung mit der indigenen Gemeinschaft von San Miguel Chimalapa.
Die Zusammenarbeit mit der indigenen Gemeinschaft von San Miguel Chimalapa begann Ende 2022, als Carbon Plus durch eine Gruppe von Forstingenieuren den Gemeindebehörden (Bienes Comunales) vorgestellt wurde. Diese Ingenieure, die heute Teil des strategischen lokalen Partners GADES von Carbon Plus sind, arbeiteten bereits seit über einem Jahrzehnt mit der Gemeinschaft zusammen. Durch jahrelange technische und forstwirtschaftliche Arbeit im Gebiet hatten sie ein starkes Vertrauensverhältnis zu den kommunalen Behörden aufgebaut und waren mit den Prioritäten und Aktivitäten im Bereich Waldbewirtschaftung bestens vertraut.
Nach dieser Einführung führte Carbon Plus eine Reihe von Gesprächen mit den Gemeindebehörden, um zu prüfen, ob ein Wald-Kohlenstoffprojekt die bestehenden Ziele der Gemeinschaft in den Bereichen Waldbewirtschaftung und Naturschutz ergänzen könnte. Diese Gespräche setzten sich im Jahr 2023 fort und führten schliesslich dazu, dass das Projekt im Juli 2023 von der Generalversammlung formell genehmigt wurde. Damit wurde die Partnerschaft zwischen der indigenen Gemeinschaft von San Miguel Chimalapa, Carbon Plus und GADES offiziell begründet.
Projektbezogene Entscheidungen werden über die etablierten Governance-Strukturen der indigenen Gemeinschaft von San Miguel Chimalapa getroffen, wobei die Generalversammlung die höchste Entscheidungsinstanz darstellt.
Wichtige Entscheidungen (einschliesslich Projektgenehmigung, Verpflichtungen zur Dauerhaftigkeit, rechtliche Vereinbarungen, Regelungen zur Verteilung von Nutzen sowie weitere strategische Themen) müssen gemäss den traditionellen Entscheidungsprozessen („usos y costumbres“) von der Versammlung geprüft und genehmigt werden.
Die operative Koordination erfolgt durch die Gemeindebehörden (Comisariado und Consejo de Vigilancia de Bienes Comunales), den von der Gemeinschaft ernannten Projektkoordinator sowie weitere relevante Gremien. Grundlegende Entscheidungen bleiben jedoch der Generalversammlung vorbehalten.
Darüber hinaus hat das Projekt die Einrichtung partizipativer Governance-Mechanismen unterstützt, darunter das Komitee für das Programm für nachhaltiges Territorialmanagement (STMP) sowie die Versammlung der Gemeindedelegierten. Diese Strukturen tragen zur Überwachung der Umsetzung, zur Ergebniskontrolle und zur Förderung der Kommunikation zwischen Carbon Plus, den Gemeindebehörden und der breiteren Bevölkerung bei. Sie ergänzen die Generalversammlung, ersetzen jedoch nicht deren zentrale Rolle als Forum für kollektive Entscheidungen.
Dieses Projekt unterscheidet sich von vielen extern gesteuerten Klimaprojekten, da es nicht auf einem Top-down-Ansatz basiert.
Während Carbon Plus technisches Fachwissen, Finanzierung und Zugang zu internationalen Kohlenstoffmärkten bereitstellt, werden zentrale Entscheidungen über die bestehenden Governance-Strukturen der Gemeinschaft – insbesondere die Generalversammlung der Comuneros – getroffen.
Zudem wurden neue Instrumente und Mechanismen eingeführt, wie das Programm für nachhaltiges Territorialmanagement (STMP) und das dazugehörige Komitee, das aus Mitgliedern der Gemeinschaft und von Carbon Plus besteht. Diese dienen dazu, Einnahmen aus dem Kohlenstoffmarkt gezielt in von der Gemeinschaft definierte ökologische, soziale, produktive und governancebezogene Prioritäten zu lenken.
Das Projekt ist somit als echte Partnerschaft ausgestaltet, in der externe Ressourcen und Expertise lokal definierte Ziele unterstützen, anstatt diese vorzugeben.
Das traditionelle Wissen der Zoque-Gemeinschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der Waldbewirtschaftung und der Projektumsetzung.
Die Gemeindemitglieder verfügen über umfangreiche Kenntnisse zu lokalen Arten, Ökosystemen und dem Gebiet, die über Generationen hinweg aufgebaut wurden. Dieses Wissen unterstützt Aktivitäten wie Waldmonitoring, Feuerbewirtschaftung, Wiederherstellung und Naturschutz.
Zudem bilden Gemeindemitglieder die forstlichen Brigaden des Projekts und bringen dabei ihr tiefes Verständnis der Landschaft und der lokalen ökologischen Bedingungen ein.
Beispiele für Beiträge lokalen Wissens zu ökologischen Ergebnissen sind:
Zwei der zentralen Herausforderungen sind:
Über die Umsetzung der IFM-Kohlenstoffprojektaktivitäten hinaus sehen wir grosses Potenzial in der gemeinsamen Umsetzung des Programms für nachhaltiges Territorialmanagement (STMP).
Unsere Priorität ist es, konkrete Ergebnisse zu erzielen und Vertrauen durch eine erfolgreiche Projektumsetzung aufzubauen. Dies bildet die Grundlage für eine langfristige Partnerschaft, die auf Leistung und gegenseitigem Vertrauen basiert.
Darüber hinaus sehen wir Möglichkeiten zur weiteren Wertschöpfung durch die Stärkung des gemeinschaftlichen Forstbetriebs, etwa durch Verbesserungen in Sägewerksprozessen, FSC-Zertifizierung, die Entwicklung höherwertiger Holzprodukte und weitere Initiativen zur gleichzeitigen Verbesserung wirtschaftlicher und ökologischer Ergebnisse.
Indigene Gemeinschaften werden eine zentrale Rolle in der Zukunft des freiwilligen Kohlenstoffmarktes spielen.
In Mexiko besitzen oder bewirtschaften indigene und lokale Gemeinschaften rund 70 % der Wälder und nahezu die Hälfte des Staatsgebiets. Damit sind sie unverzichtbare Partner für gross angelegte naturbasierte Klimaschutzlösungen.
Ihr über Generationen gewachsenes Wissen, ihre Governance-Systeme und ihre Bewirtschaftungspraktiken sind entscheidend für den Erhalt gesunder Ökosysteme und die Erzielung nachhaltiger Klimawirkungen.
Mit der Weiterentwicklung des Marktes wird ihre Stimme zentral sein, um Projekte zu gestalten, die sowohl hohe ökologische Integrität als auch soziale Gerechtigkeit gewährleisten und sicherstellen, dass Klimafinanzierung sowohl den Waldschutz als auch das Wohlergehen der Gemeinschaften unterstützt.


