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CDR wird zum Managementthema: Warum Unternehmen jetzt Position beziehen sollten

Noch vor wenigen Jahren wurde Carbon Dioxide Removal (CDR) oft als Randthema diskutiert. Die Debatte drehte sich vor allem um Technologien, Kosten und die Frage, ob CO₂-Entnahme überhaupt notwendig und realisierbar sei. Im Jahr 2026 sieht die Situation anders aus. Der neue WWF-Leitfaden sowie der Corporate Net-Zero Standard der Science Based Targets Initiative (SBTi) senden eine gemeinsame Botschaft: CDR wird zu einem festen Bestandteil glaubwürdiger Netto-Null-Strategien. Dabei gilt weiterhin: CDR ersetzt keine Dekarbonisierung. Aber Netto-Null wird ohne CDR kaum erreichbar sein.

Die Diskussion hat sich verschoben

Der State of Carbon Dioxide Removal Report zeigt deutlich, dass CDR heute in praktisch allen 1,5°C- und Net-Zero-Szenarien eine notwendige Rolle spielt. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir CO₂ aus der Atmosphäre entfernen müssen, sondern ob wir die nötigen Kapazitäten rechtzeitig aufbauen können. Die Zahlen sind eindrücklich:

  • Bis 2035 werden weltweit rund 1,2 Gigatonnen CDR benötigt.
  • Bis 2050 steigt der Bedarf auf rund 5,2 Gigatonnen.
  • Gleichzeitig stammen heute rund 99,9 % der realisierten CO₂-Entnahmen aus naturbasierten Ansätzen.
  • Dauerhafte technische Lösungen machen bislang nur einen sehr kleinen Anteil aus.

Der Engpass liegt dabei zunehmend nicht mehr bei der Technologie, sondern bei Nachfrage, Finanzierung, Infrastruktur und politischen Rahmenbedingungen. Genau deshalb gelten die Jahre 2026 bis 2030 als entscheidendes Zeitfenster für die Marktentwicklung.

Der neue WWF-Kompass bringt Orientierung

Der WWF-Kompass überzeugt uns vor allem deshalb, weil er auf einfache Schwarz-Weiss-Antworten verzichtet. Statt zu fragen, ob Unternehmen CDR einsetzen sollen oder nicht, stellt der Leitfaden die entscheidendere Frage: Für welchen Zweck?

Der WWF unterscheidet drei Rollen von CDR: Neutralisierung von Residualemissionen im Zieljahr, Übernahme zusätzlicher Verantwortung vor Netto-Null und Beiträge zur FLAG-Zielerreichung im Landsektor. Je nach Zielsetzung kommen unterschiedliche Technologien und Qualitätsanforderungen in Frage. Damit verabschiedet sich die Diskussion von der Vorstellung, dass jede entfernte Tonne CO₂ gleichbehandelt werden sollte.

Auch die SBTi schärft den Stellenwert von CDR

Besonders spannend ist, dass sich dieser Gedanke zunehmend auch in der Weiterentwicklung des SBTi Net-Zero Standards widerspiegelt. Die neue Version des Standards verschiebt den Fokus von der reinen Zielsetzung stärker auf die Umsetzung. Unternehmen sollen alle verfügbaren Hebel zur Emissionsreduktion nutzen, transparent über Fortschritte berichten und ihre Klimastrategien laufend weiterentwickeln. Gleichzeitig wird immer deutlicher, welche Rolle CDR langfristig einnehmen wird:

  • Verbleibende Residualemissionen müssen am Ende des Netto-Null-Pfads neutralisiert werden.
  • Unternehmen werden sich zunehmend mit ihrer Verantwortung für laufende Emissionen auseinandersetzen müssen.
  • Dauerhafte CO₂-Entnahme entwickelt sich vom Randthema zu einem strategischen Bestandteil von Netto-Null.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: CDR wird vom freiwilligen Zukunftsthema zum Managementthema.

Was bedeutet das konkret für Unternehmen?

Unternehmen müssen heute noch keine grossen Mengen CDR beschaffen. Aber sie sollten bereits jetzt verstehen, welchen Bedarf sie künftig haben könnten – denn hochwertige CDR-Lösungen werden nicht unbegrenzt verfügbar sein. Unternehmen sollten:

  • ihre langfristigen Residualemissionen verstehen,
  • Best Practice Anforderungen und Rahmenbedingungen wie WWF oder SBTi sowie regulatorische Vorgaben zur Anrechenbarkeit von CDR kennen,
  • relevante Technologien beobachten,
  • und eine Position zur Rolle von CDR in ihrer Klimastrategie entwickeln.

Denn genau hier findet derzeit die grösste Entwicklung statt.

Fazit

Der neue WWF-Kompass kommt zum richtigen Zeitpunkt. Während der State-of-CDR-Report die enorme Skalierungslücke aufzeigt, macht der WWF deutlich, wie Unternehmen CDR strategisch verankern können. Gleichzeitig entwickelt die SBTi ihren Standard weiter und schafft klarere Erwartungen an den Umgang mit Residualemissionen und CO₂-Entnahme. Die eigentliche Erkenntnis ist dabei überraschend einfach: 

Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob Unternehmen CDR brauchen – sondern welche Rolle es künftig in ihrer Netto-Null-Strategie spielen soll.

 

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Ihre Autorin

Swiss Climate Team 700x650 Barbara Jossi
Barbara Jossi Head of Climate Projects +41 31 343 03 44 E-Mail LinkedIn