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Noch vor wenigen Jahren wurde Carbon Dioxide Removal (CDR) oft als Randthema diskutiert. Die Debatte drehte sich vor allem um Technologien, Kosten und die Frage, ob CO₂-Entnahme überhaupt notwendig und realisierbar sei. Im Jahr 2026 sieht die Situation anders aus. Der neue WWF-Leitfaden sowie der Corporate Net-Zero Standard der Science Based Targets Initiative (SBTi) senden eine gemeinsame Botschaft: CDR wird zu einem festen Bestandteil glaubwürdiger Netto-Null-Strategien. Dabei gilt weiterhin: CDR ersetzt keine Dekarbonisierung. Aber Netto-Null wird ohne CDR kaum erreichbar sein.
Der State of Carbon Dioxide Removal Report zeigt deutlich, dass CDR heute in praktisch allen 1,5°C- und Net-Zero-Szenarien eine notwendige Rolle spielt. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob wir CO₂ aus der Atmosphäre entfernen müssen, sondern ob wir die nötigen Kapazitäten rechtzeitig aufbauen können. Die Zahlen sind eindrücklich:
Der Engpass liegt dabei zunehmend nicht mehr bei der Technologie, sondern bei Nachfrage, Finanzierung, Infrastruktur und politischen Rahmenbedingungen. Genau deshalb gelten die Jahre 2026 bis 2030 als entscheidendes Zeitfenster für die Marktentwicklung.
Der WWF-Kompass überzeugt uns vor allem deshalb, weil er auf einfache Schwarz-Weiss-Antworten verzichtet. Statt zu fragen, ob Unternehmen CDR einsetzen sollen oder nicht, stellt der Leitfaden die entscheidendere Frage: Für welchen Zweck?
Der WWF unterscheidet drei Rollen von CDR: Neutralisierung von Residualemissionen im Zieljahr, Übernahme zusätzlicher Verantwortung vor Netto-Null und Beiträge zur FLAG-Zielerreichung im Landsektor. Je nach Zielsetzung kommen unterschiedliche Technologien und Qualitätsanforderungen in Frage. Damit verabschiedet sich die Diskussion von der Vorstellung, dass jede entfernte Tonne CO₂ gleichbehandelt werden sollte.
Besonders spannend ist, dass sich dieser Gedanke zunehmend auch in der Weiterentwicklung des SBTi Net-Zero Standards widerspiegelt. Die neue Version des Standards verschiebt den Fokus von der reinen Zielsetzung stärker auf die Umsetzung. Unternehmen sollen alle verfügbaren Hebel zur Emissionsreduktion nutzen, transparent über Fortschritte berichten und ihre Klimastrategien laufend weiterentwickeln. Gleichzeitig wird immer deutlicher, welche Rolle CDR langfristig einnehmen wird:
Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: CDR wird vom freiwilligen Zukunftsthema zum Managementthema.
Unternehmen müssen heute noch keine grossen Mengen CDR beschaffen. Aber sie sollten bereits jetzt verstehen, welchen Bedarf sie künftig haben könnten – denn hochwertige CDR-Lösungen werden nicht unbegrenzt verfügbar sein. Unternehmen sollten:
Denn genau hier findet derzeit die grösste Entwicklung statt.
Der neue WWF-Kompass kommt zum richtigen Zeitpunkt. Während der State-of-CDR-Report die enorme Skalierungslücke aufzeigt, macht der WWF deutlich, wie Unternehmen CDR strategisch verankern können. Gleichzeitig entwickelt die SBTi ihren Standard weiter und schafft klarere Erwartungen an den Umgang mit Residualemissionen und CO₂-Entnahme. Die eigentliche Erkenntnis ist dabei überraschend einfach:
Die entscheidende Frage lautet heute nicht mehr, ob Unternehmen CDR brauchen – sondern welche Rolle es künftig in ihrer Netto-Null-Strategie spielen soll.
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