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Die stille Revolution der CO2-Bilanz: Wie der neue Land Sector and Removal Standard eine neue Ära des Klimamanagements einläuten wird

Mit dem Land Sector and Removals Standard (LSR) hat das Greenhouse Gas Protocol den weltweit umfassendsten Rahmen für die Bilanzierung von Landnutzung, Landnutzungsänderungen sowie biogenen und technologischen CO₂-Speicherungen entwickelt. Heute ist LSR ein vermeintliches Nischenthema, das weitgehend unterschätzt wird. Doch der neue Standard wird viele Unternehmen betreffen und neue Chancen und Herausforderungen mit sich bringen.

Fast jede CO₂-Bilanz für Unternehmen wird heute nach dem Greenhouse Gas Protocol erstellt. Daher sollten sich Nachhaltigkeitsverantwortliche mit den Neuentwicklungen auseinandersetzen. Der neue Standard ergänzt künftig die Corporate Standard und Scope-3-Standards und adressiert zentrale Lücken im bisherigen Treibhausgas-Reporting. Damit schafft der LSR-Standard erstmals einen weltweit konsistenten Rahmen, wie Unternehmen Folgendes bilanzieren sollen:

  • Emissionen aus Landnutzungsänderungen (z. B. Entwaldung)
  • Emissionen aus Landmanagement
  • Biogene Kohlenstoffflüsse
  • CO₂-Speicherungen in natürlichen und technologischen Senken

Erhöhte Anforderungen an Unternehmensbilanzen

Die Anforderungen an Datenqualität, Methodik und Transparenz steigen deutlich und damit auch die entsprechenden Aufwände. Das Ziel ist, dass Unternehmen verstehen, wie sich ihre Tätigkeiten auf die Menge von Kohlenstoff in Biomasse, Böden oder biogenen Produkten auswirken und wie sich diese Speicher im Zeitverlauf verändern. Mit dem neuen Standard kommen insgesamt 23 zusätzliche, potenziell relevante Bilanzkategorien hinzu, die Unternehmen künftig systematisch berücksichtigen müssen. Dafür werden zunehmend geospezifische, lieferkettenscharfe und empirisch belastbare Daten erforderlich. Dies lässt die Anforderungen an Monitoring-Infrastrukturen, die Einbindung von Lieferanten sowie an die interne Datengovernance spürbar steigen. Somit wird die Bilanzierung sowohl granularer als auch anspruchsvoller.

CO₂-Entfernung sichtbar machen

Besonders weitreichend sind die neuen Vorgaben für CO₂-Speicherungen (engl. Removals). Erstmals können diese in einer CO₂-Bilanz berücksichtigt werden. Der Standard verankert strenge Regeln zur Dauerhaftigkeit von Senken und hebt dabei Monitoring, Rückverfolgbarkeit und die Bilanzierung potenzieller Reversals (Aufhebungen von CO₂-Speicherungen) ins Zentrum. Jedes Unternehmen welches CO₂-Speicherungen ausweist, egal ob biogen oder technologisch erzeugt, muss künftig sicherstellen, dass die gespeicherten Mengen über den gesamten Lebenszyklus überwacht und mögliche Verluste unmittelbar in der Bilanz berücksichtigt werden. Die Nachverfolgbarkeit entlang des gesamten Removal-Pfads, von der Senke über die Speicherung bis hin zu potenziellen Zwischenstationen, ist zwingend erforderlich. Damit schafft das GHG Protocol eine Grundlage, auf der nur Removals angerechnet werden können, welche nachweislich dauerhaft und überprüfbar sind. Dies kann sich wesentlich auf Netto-Null Strategien auswirken.

Klare Definitionen für Landemissionen

Der Standard führt eine klare Trennung zwischen Emissionen aus Landnutzungsänderungen und solchen aus Landmanagement ein. Emissionen aus Entwaldung und Landflächenumwandlungen müssen künftig bilanziert werden. Gleiches gilt für Emissionen, die aus der Landbewirtschaftung entstehen. Dabei gibt der Standard unterschiedliche Methodiken vor. Während Landnutzungsänderungen über einen standardisierten Zeitraum von mindestens zwanzig Jahren bilanziert werden müssen, stehen beim Landmanagement die jährlichen Netto-Veränderungen der Kohlenstoffspeicher im Mittelpunkt. 

Wer ist betroffen?

Betroffen sind insbesondere Unternehmen aus Landwirtschaft, Lebensmittel- und Forstwirtschaft, der Holz- und Papierindustrie, der Bioenergiebranche sowie der Bauwirtschaft, sofern biogene Materialien verwendet werden. Auch Branchen mit grossen landbasierten Lieferketten, wie etwa Textil- oder Kosmetikunternehmen, fallen in den Anwendungsbereich, ebenso wie Unternehmen, die CO₂-Speicherlösungen nutzen oder bereitstellen.

Für betroffene Unternehmen ist dieses neue Regelwerk Herausforderung und Chance zugleich, denn ein transparenter und glaubwürdiger Umgang mit Landemissionen und CO₂-Speicherungen bildet künftig eine zentrale Grundlage für Unternehmensbilanzen, regulatorische Compliance, ESG-Berichterstattung und strategisches Klimamanagement. Auch weiterführende Standards und Auszeichnungen wie SBTi (aktuell über ihre Forest, Land and Agriculture Guidance (FLAG)) werden die neuen Vorgaben von Greenhouse Gas Protocol übernehmen. Daher lohnt sich eine frühzeitige Auseinandersetzung mit dem Regelwerk. 

Von der Regulierung zur strategischen Chance

Der Land Sector and Removals Standard wird Landemissionen und CO₂-Entfernung zu einem festen Bestandteil von Scope-3-Bilanzen machen. Unternehmen, die sich frühzeitig vorbereiten, schaffen Transparenz, Glaubwürdigkeit und Handlungsspielraum.

In einem kommenden Webinar zeigen wir, wie Sie den LSR Standard strategisch einordnen und umsetzen können. Infos folgen Ende Januar.

Foto von Dan Meyers auf Unsplash zur Übersicht

Ihre Autorin

Swiss Climate Team 700x650 Noemie Bommer
Noémie Bommer Senior Consultant +41 31 343 03 33 E-Mail LinkedIn